Erstattung von Strafanzeigen

Jede Person, die sich als Opfer einer Straftat sieht, hat verständlicher Weise das Bedürfnis, dies zur Anzeige zu bringen, damit der mutmaßliche Täter bestraft werden kann. Allerdings erweist sich nicht jeder Lebenssachverhalt, der auf den ersten Blick anrüchig erscheint, als strafbewährt. Teilweise ist der Sachverhalt, der zur Anzeige gebracht werden soll, nicht vollständig ausermittelt oder wird nicht ausreichend verständlich dargestellt, sodass  die in die Ermittlungsbehörden gesetze Hoffnung auf schnelle Hilfe oft vergebens ist. Daher ist anzuraten, vor der Erstattung einer Strafanzeige, den Sachverhalt auf seine strafrechtliche Relevanz hin prüfen zu lassen und gegebenenfalls weitere eigene Ermittlungen vorzunehmen, um den Sachverhalt sodann unter Vorlage der Beweise den Ermittlungsbehörden in deren "Sprache" vorzutragen.

 

Zu warnen ist vor einer vorschnellen Erstattung einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft, da über die Vorschrift des § 103 StPO, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, den Ermittlungsbehörden eine Durchsuchung in den Räumen bei anderen Personen, beispielsweise dem Anzeigeerstatter selbst, ermöglicht wird. Macht die Staatsanwaltschaft bei der Sichtung der sichergestellten oder beschlagnahmten Unterlagen in diesem Emittlungsverfahrens Entdeckungen, die auf die Begehung von Pflichtverletzungen hindeuten, ist sie gehalten, auch diesen möglichen Verstößen nachzugehen und weitere Ermittlungsverfahren einzuleiten.